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DTF gegen DTG 2026: Verfahrens-Vergleich für Klein-Druckereien

Direct-to-Film und Direct-to-Garment teilen sich den Markt unterhalb der Siebdruck-Schwelle. Was 2026 wirklich zählt: Stückkosten, Wasch-Beständigkeit, Stoff-Tauglichkeit und die Frage, ab welcher Auflage sich welches Verfahren rechnet.

Der Klein-Druckerei-Markt unterhalb der Siebdruck-Schwelle hat sich 2026 endgültig in zwei Lager geteilt. Auf der einen Seite Direct-to-Garment (DTG) mit einer fest etablierten Geräte-Generation um Brother GTX und Kornit Atlas. Auf der anderen Seite Direct-to-Film (DTF), das in nur vier Jahren vom chinesischen Nischen-Verfahren zur dominanten Lösung für Misch-Stoffe und dunkle Trikots aufgestiegen ist. Wer 2026 eine Klein-Druckerei aufbaut oder eine bestehende Anlage erweitert, steht vor einer Verfahrens-Entscheidung, die nicht nur Investitions-Höhe und Stückkosten betrifft, sondern auch das gesamte Sortiment-Profil.

Verfahrens-Prinzip im direkten Vergleich

DTG arbeitet im Inkjet-Prinzip: Wasser-basierte Pigment-Tinten werden über Piezo-Druckköpfe direkt auf den Stoff aufgetragen. Bei dunklen Stoffen ist ein Pretreat-Schritt zwingend, bei dem eine Pretreat-Liquid auf Basis von Calcium-Salzen aufgesprüht und mit einer Heizpresse fixiert wird. Erst danach kann ein weißer Untergrund gedruckt werden, der die farbigen Tinten trägt. Eingebrannt wird der fertige Druck bei 150 °C für rund 90 Sekunden in einer Tunnel-Trocknung oder unter der Transferpresse.

DTF kehrt die Logik um. Gedruckt wird nicht auf das Shirt, sondern auf eine transparente PET-Trägerfolie. Auf den noch nassen Druck wird ein thermoplastisches Klebepulver gestreut, das in einem Pulver-Shaker gleichmäßig verteilt und in einem Vorhärte-Ofen bei rund 120 °C angeschmolzen wird. Die fertige Folie liegt damit als transportabler Transfer vor. Der Stoff bekommt den Druck erst in der zweiten Stufe: Heißpressen bei 160 °C für 15 bis 20 Sekunden, kurzes Cold-Peel oder Hot-Peel je nach Folien-Typ, und der Druck sitzt.

Der entscheidende Punkt: DTF braucht keinen weißen Untergrund auf dem Stoff selbst, weil das Klebepulver als opake Schicht zwischen Farb-Druck und Stoff sitzt. Damit fallen die Pretreat-Probleme, die DTG-Betreibern jahrelang Kopfzerbrechen bereitet haben, einfach weg.

Investitions-Höhe und Stückkosten 2026

Die Einstiegs-Investition ist 2026 der erste sichtbare Unterschied. Ein chinesisches DTF-Einsteiger-System mit A3-Druckbreite, Pulver-Shaker und Vorhärte-Ofen ist ab rund 4.200 EUR netto verfügbar. Solide europäische DTF-Linien mit 60 cm Druckbreite, automatischem Shaker und integrierter Absaugung liegen bei 12.000 bis 18.000 EUR.

DTG bleibt im Vergleich teurer. Der Brother GTX600, 2025 als Nachfolge-Generation in den Markt gebracht, kostet 2026 ab 14.500 EUR netto in der Basis-Konfiguration ohne Pretreat-Maschine. Mit Pretreat-Spray-Kabine, Heizpresse und Tunnel-Trocknung erreicht eine vollständige DTG-Linie schnell 22.000 bis 28.000 EUR. Kornit-Systeme im industriellen Segment beginnen jenseits der 150.000-EUR-Schwelle und sind für Klein-Druckereien nicht im Blick.

Bei den Stückkosten dreht sich das Bild teilweise:

VerfahrenTinte/Materialtypisch pro A4-Druck
DTF auf 165 g/m² CottonFolie + Tinte + Pulver0,45 – 0,95 EUR
DTG auf 180 g/m² Bio-Cotton schwarzPretreat + CMYK + Weiß1,20 – 2,40 EUR
Siebdruck 1-farbig auf 180 g/m²Plastisol-Farbe0,08 – 0,18 EUR

Der DTG-Stückkosten-Korridor ist breit, weil der Weiß-Tinten-Verbrauch je nach Motiv-Deckung stark schwankt. Ein vollflächiges Motiv mit hoher Weiß-Last auf schwarzem Heavy-Cotton zieht schnell 2,40 EUR Tinte. DTF zeigt sich deutlich gleichmäßiger, weil die Folien-Bedeckung weitgehend motiv-unabhängig kalkuliert werden kann.

Auflage-Schwellen und Stoff-Tauglichkeit

Die Rentabilitäts-Schwellen 2026 sind klar konturiert. DTF rechnet sich von 1 Stück bis rund 200 Stück, weil die Folien-Produktion ohne Rüstzeit erfolgt und das Heißpressen pro Shirt nur 15 bis 20 Sekunden braucht. Jenseits der 200er-Auflage wird Siebdruck mit 1 bis 2 Farben günstiger, sobald die Sieb-Anfertigung amortisiert ist.

DTG hat seine wirtschaftliche Heimat zwischen 1 und 100 Stück bei mehrfarbigen, foto-realistischen Motiven auf 100 % Baumwolle. Sobald Misch-Gewebe oder Polyester ins Sortiment kommen, gerät DTG an seine Grenze. Die Pigment-Tinten haften auf Baumwolle hervorragend, auf Polyester nur unzureichend, weil die Faser-Struktur keine kovalente Anbindung erlaubt.

Hier glänzt DTF: Das Klebepulver bindet thermoplastisch und ist faser-agnostisch. Baumwolle, Polyester, Misch-Stoffe ab 50/50, Nylon-Anteile in Sport-Trikots, sogar Funktions-Stoffe mit DWR-Beschichtung lassen sich bedrucken, wenn die Press-Temperatur sauber justiert wird. Für Vereins-Trikots, JGA-Polyester-Shirts und Funktions-Bekleidung ist DTF 2026 die Standard-Antwort.

Wasch-Beständigkeit und Haptik

Die Wasch-Beständigkeit ist 2026 der häufigste Reklamations-Grund in Klein-Druckereien. DTG liefert bei sauberer Pretreat-Justage und korrekter Einbrenn-Temperatur typisch 30 bis 50 Wäschen bei 40 °C ohne Trockner, bevor sichtbares Ausbleichen einsetzt. Die Haptik bleibt weich und faser-nah, der Druck verschwindet quasi im Stoff.

DTF erreicht 2026 mit Premium-Folien (etwa Cadlink-kompatible PET-Folien mit Polyurethan-Pulver) ähnliche 25 bis 45 Wäschen, mit Discount-Folien fällt der Wert auf 15 bis 20 Wäschen. Die Haptik ist immer leicht spürbar — das Klebepulver bildet eine dünne Schicht, die sich anfühlt wie ein sehr dünner Flex-Druck. Für Hersteller, die mit „weicher Druck-Haptik” werben wollen, bleibt DTG die erste Wahl.

Ein oft übersehener Punkt: DTF-Drucke sind elastisch. Während DTG-Pigmente bei stark gedehnten Stoff-Stellen reißen können, dehnt sich die DTF-Schicht mit. Für Sport-Trikots, Hoodies und Body-fit-Shirts ist das ein praktischer Vorteil.

Energie-Verbrauch und Arbeits-Aufwand

Wer 2026 kalkuliert, sollte den Energie-Verbrauch nicht ignorieren. Eine DTG-Linie mit Pretreat-Trocknung und Tunnel-Einbrennung zieht im Dauer-Betrieb 4 bis 6 kW. Bei aktuellen Industrie-Strom-Tarifen von 0,28 bis 0,34 EUR/kWh summiert sich das schnell auf 8 bis 12 EUR Energie-Kosten pro Acht-Stunden-Schicht.

DTF kommt mit 2,5 bis 4 kW aus, weil der Vorhärte-Ofen kontinuierlich auf niedrigerem Niveau läuft und nur die Heißpresse pro Druck kurz Last zieht. Die Energie-Differenz erscheint klein, summiert sich aber über ein Jahr Produktion auf 1.500 bis 2.500 EUR.

Beim Arbeits-Aufwand kippt das Bild wieder. DTG ist zwei-stufig (Pretreat, Druck, Einbrenn), aber inline automatisierbar. DTF ist drei-stufig (Folien-Druck, Pulver-Auftrag, Heißpressen) und im Klein-Betrieb häufig manueller, weil Folien zwischen den Stationen umgesetzt werden müssen.

Entscheidungs-Matrix für 2026

Eine pragmatische Verfahrens-Wahl 2026 lässt sich auf drei Fragen reduzieren. Erstens: Welche Stoffe sollen bedruckt werden? Reine Baumwolle und Bio-Cotton sprechen für DTG, alles mit Polyester-Anteil für DTF. Zweitens: Welche Stückzahlen pro Auftrag? Bei durchschnittlich 5 bis 30 Stück mit foto-realistischen Motiven bleibt DTG die Premium-Option. Drittens: Wie wichtig ist die Druck-Haptik im Marketing? Wer „weicher Druck” verspricht, kann DTF nicht als alleinige Lösung verkaufen.

Die ehrliche Antwort vieler Klein-Druckereien 2026 lautet: beide. Eine DTF-Linie für Misch-Stoffe, dunkle Trikots und kurzfristige JGA-Aufträge, dazu ein DTG-System für die Baumwoll-Premium-Schiene. Die kombinierte Investitions-Schwelle liegt bei rund 30.000 EUR netto, und die Amortisations-Rechnung trägt sich bei rund 4.500 bedruckten Shirts pro Jahr — eine Schwelle, die viele bestehende Klein-Druckereien längst überschreiten.

Was 2026 endgültig vom Tisch ist: die Vorstellung, ein einzelnes Verfahren könne den gesamten Markt unterhalb der Siebdruck-Schwelle abdecken. Wer das versucht, verschenkt entweder Marge oder Sortiment-Breite. Die zwei-Geräte-Strategie ist 2026 nicht mehr Luxus, sondern Standard.


Ressort: Druck